Der Norden Montenegros ist anders als der Rest des Landes und definitiv ganz anders als die Adria Küste. Größter sofort merkbarer Unterschied: Kaum Touristen!
Als wir unser Mietauto vom Flughafen in Podgorica abholten und uns auf in den Norden machten, war uns nicht bewusst, dass wir nur einer der wenigen Touristen waren, die diesen Weg Ende Oktober einschlugen. Selbst im „Touristenzentrum“ dem Bergdorf Zabljak, das durch die zentrale Lage im Durmitor-Nationalpark als perfekte Ausgangslage für Ausflüge in die Umgebung gilt, waren kaum Gleichgesinnte unterwegs. Hin und wieder begegnete man auf den Straßen der ein oder anderen Wander- oder Fahrradgruppe, weitgehend blieb das aber eine Ausnahme. Es mag vermutlich an der Jahreszeit, dem Spätherbst liegen, aber wir waren total begeistert von der Ruhe und dem geringen Tourismus, der uns die wunderschöne und malerische Natur im Norden Montenegros noch mehr genießen ließ.
- Key Facts:
- Reisezeitraum: 25.10.2019 - 28.10.2019
- Unterkunft: Organic Family Farm
- Besuchte Sehenswürdigkeiten: Kloster Ostrog, Tara Schlucht, Durmitor Ring, Piva Stausee, Schwarzer See
Der Norden Montenegros ist zudem vor allem vielfältig. Für Outdoorfans gibt es unzählig viele Möglichkeiten die wunderschöne Landschaft Montenegros kennen zu lernen. Von kurzen bis sehr langen Wanderungen, Fahrradtouren, Jeep-Safaris, Ausritte, Rafting, Ziplining ist bestimmt für jeden Naturliebhaber etwas dabei! Wir hatten leider nur eine sehr begrenzte Zeit von etwa 3 Tagen zur Verfügung und wollten natürlich so viel wie möglich sehen. Deshalb möchte ich Dir zeigen, was wir im Norden Montenegros in dieser kurzen Zeit alles erlebt haben und warum ich so begeistert vom Norden bin.
Das Kloster Ostrog
Vom Flughafen in Podgorica machten wir uns mit unserem Mietwagen direkt auf den Weg in den Norden. Da das berühmte Kloster Ostrog fast unmittelbar auf dem Weg lag, bauten wir dieses als kurzen Abstecher in unsere Tagesroute ein. Das Kloster ist eine der wichtigsten orthodoxen Pilgerstätten Montenegros und besticht besonders durch seine Integration in den Berg. Als wir dort ankamen fand allerdings gerade eine kleine Zeremonie statt, bei denen sich die Montenegriner in die kleine Kapelle zwängten und betend den kleinen Altar küssten und würdigten. Wir wollten dabei auf keinen Fall stören und hielten uns deshalb nur kurz dort auf. Ehrlicherweise muss man eine etwas schmale Serpentinenstraße in Kauf nehmen um das Kloster zu erreichen und der Umweg gestaltete sich doch etwas länger als gedacht. Der Besuch des Klosters Ostrog hat uns zwar gefallen, war aber kein wirkliches Highlight und könnte meiner Meinung nach bei Zeitengpass getrost ausgelassen werden.
Die Kleinstadt Zabljak
Die kleine Stadt Zabljak ist mit seinen 1.450 Metern nicht nur der höchstgelegenste Ort Montenegros, sondern aufgrund seiner Lage im Zentrum des Durmitor-Nationalparks, auch der perfekte Ausgangspunkt für Ausflüge in die nördlichen Regionen Montenegros. Im Winter ist Zabljak zudem Anlaufstelle für Skifahrer, die im Skigebiet Savin Kuk attraktive Abfahrtspisten anfinden. Trotz des Baubooms und dem Versuch den Tourismus zubeleben, haben wir Zabljak als touristische Ruheoase erlebt. Ein paar Restaurants, Bars und Cafes gibt es dennoch, die Auswahl ist aber begrenzt. Empfehlen kann ich das Cafe & Restaurant Oro, das über eine schöne Terasse verfügt und sehr leckere Kuchen serviert. Da uns die Hotels direkt in Zabljak nicht wirklich angesprochen haben, übernachteten wir in der Organic Family Farm, unweit von Zabljak entfernt. Mehr zur Unterkunft hier.
Der Durmitor Ring
Die Empfehlung für den Durmitor Ring, Sedlo-Pass oder auch schlicht Panoramastraße genannt, erhielten wir von unserem montenegrinischen Gastgeber Milan. Laut ihm sei das die allerschönste Art den Norden Montenegros und seine abwechslungsreiche und wunderschöne Landschaft geballt zu entdecken. Natürlich konnten wir uns das nicht entgehen lassen und brachen direkt früh morgens voller Erwartung und Tatendrang auf.
Insgesamt gibt es vier verschiedene Routen, die den Mount Durmitor umrunden, wobei der Hauptring ca. 85 km lang ist. Immer wieder gibt es aber Abkürzungsmöglichkeiten, die durch eine gute Beschilderung ausgewiesen sind. Wir haben die Panoramastraße von Zabljak aus begonnen. Hierzu musst du einfach der Hauptstraße folgen und den Ortskern zu rechter Hand verlassen. Schnell wirst du dann auf eine Beschilderung stoßen, die dich zum Panoramaweg führt. Alternativ kannst du die Rundfahrt auch ab Pluzine aus starten. Alle Straßen sind asphaltiert, teilweise etwas schmal aber auf jeden Fall gut passierbar. Wir haben unterwegs auch ein paar kleinere Wohnmobile gesehen, die Fahrzeuggröße dürfte damit kein wirkliches Problem sein, wobei man wohl ab einer Länge von 2,90 Metern aufpassen sollte. Einmal auf der Panoramastraße folgst du einfach immer dem Panoramic-Roads-Logo mit der Nummer Zwei. Wie rum man den Rundweg fährt ist eigentlich egal, gelesen habe ich des Öfteren, dass man gegen den Uhrzeigersinn fahren sollte, wir sind allerdings im Osten gestartet und haben keinen Nachteil erkannt.
Hier ein Link zu einer sehr übersichtlichen Karte
Theoretisch brauchts Du für die Umrundung des gesamten Rings rund 3 Stunden. Dies entspricht allerdings nur der Praxis, wenn man die gesamte Strecke auch durchfährt. Wir haben eindeutig um einiges länger gebraucht, da wir die malerische Landschaft in Ruhe auf uns wirken ließen, sehr sehr oft, geplättet von der Schönheit der Natur, ausstiegen und einige kleinere Abschnitte auch zu Fuß gingen. Meiner Meinung nach sollte man mindestens einen halben bis ganzen Tag für diese Strecke einplanen, um auch wirklich ohne Hektik oder Stress alles in Ruhe genießen zu können.
Was uns besonders gefallen hat, ist die unterschiedliche Landschaft, die sich nach jeder Kurve in gewisser Weise zu ändern scheint. Während man im Osten vor allem auf Steinmassive trifft und eine tolle Sicht auf den Sedlo hat, wird es im Westen deutlich flacher. Dort wiederrum faszinieren die wunderschönen Wiesen der Hochebene bei Pisce. Auch trifft man im Westen und Süden auf kleine Höfe, Häuser und verlassene Ruinen und gewinnt einen Eindruck vom Landleben in Montenegro. Welcher Teil der Strecke mir am besten gefallen hat, kann ich gar nicht pauschal sagen. Insgesamt war ich aber hellauf begeistert von der wechselnden Landschaft und der malerischen Schönheit der Natur und der unglaublichen Ruhe! Für mich gehört der Durmitor-Ring zu einer Montenegro Reise auf jeden Fall dazu und ist zu Recht auf Platz 1. meiner Highlightliste!
Damit dein Tag im Norden Montenegro auch so ein schönes einprägsames Erlebnis wird wie für mich, habe ich noch ein paar kleine Tipps für Dich:
- Tipps & Tricks:
- Auf der gesamten Strecke gibt es keine Tankstelle, daher unbedingt vorher tanken!
- Lass Dir Zeit, denn nur so kann die wunderschöne Landschaft auf Dich wirken! Plane also mindestens einen halben Tag ein!
- Auf der Strecke gibt es unglaublich viele Kurven. Fahre deshalb vorsichtig und hupe vor einer steilen Kurve, so machen es auch die Einheimischen!
- Nimm genug zu trinken und auch zu essen mit! Unterwegs gibt es kaum Einkehrmöglichkeiten!
- Nimm etwas Bargeld mit, denn im Durmitor-Nationalpark wird eine kleine Tagesgebühr von 3€ pro Person fällig.
Der Schwarze See
Nachdem wir von der Rundfahrt des Durmitor Rings am frühen Nachmittag wieder in Zabljak ankamen, genossen wir erst einmal einen Kaffee und ein Stückchen Kuchen auf der Terrasse des Restaurants Oro. Anschließend machten wir uns auf den Weg zum schwarzen See, Black Lake oder einheimisch Crno Jezero. Dieser ist unweit von Zabljak entfernt (nur 3 km), deshalb auch bei Bustouristen unglaublich beliebt und meistens etwas überfüllt. Wir hatten jedoch Glück, dass Ende Oktober die Hauptreisezeit wohl schon vorüber war und auf dem Parkplatz nur wenige Buse und Autos zu sehen waren. Auf dem kurzen Fußweg vom Parkplatz zum See gibt es, untypisch für den Norden Montenegros, touristische Verkaufsstände, die unter anderem mit Honig und Pilzen, vor allem auf den Abverkauf an chinesischen Bustouristen, aus sind. Diese waren zwar selbst noch im Spätherbst geöffnet, ließen uns aber weitgehend in Ruhe und waren deshalb auch wenig störend.
Angekommen am See wussten wir sofort warum dieser als einer der Hauptattraktionen im Norden gilt! Wunderschön und fast ein bisschen mystisch spiegeln sich die smaragdgrünen Tannen, Kiefern und Fichten auf der Wasseroberfläche und verleihen dem See seine typisch schwarz-dunkelgrüne Farbe. Besonderen Charm verbreitet auch der Berg Meded, der im Hintergrund hervorragt und dem Gletschersee ein einzigartiges Panorama verleiht. Wir konnten uns es nicht nehmen lassen und schossen unzählige Bilder von der wunderschönen Kulisse, mit den Kanus im Vordergrund, dem Berg im Hintergrund und dem See als Hauptakteur.
Anschließend machten wir uns auf zu einer kleinen Wanderung um den See. Spätestens nachdem wir den Hauptweg verlassen hatten und in den Wald marschierten, waren die Touristen, die sich vor dem Cafe am See tummelten kaum noch vorhanden. Wir konnten die 3,6 km also in völliger Ruhe genießen und uns an der wunderschönen Landschaft erfreuen. Mir ist bis heute noch nicht klar, wie man von dem übersichtlichen Trampelpfad abkommen konnte aber, da überall die Rede von einer sehr leichten, barrierefreien Wanderung die Rede war, bezweifle ich, dass wir dem richtigen Weg gefolgt sind. Immer wieder mussten wir über sehr große Steine am Seeufer klettern und konnten uns häufig nur an herausstehenden Wurzeln oder Ästen festhalten. Egal – das machte die Wanderung nur spannender!
Der Besuch des schwarzen Sees, ist auch trotz der Tatsache, dass dieser längst kein Geheimtipp mehr ist, ein absolutes Muss und gehört ebenfalls zu meinen Highlights in Montenegro. Besonders in der Kombination mit dem Durmitor Ring genossen wir einen wunderschönen Urlaubstag, der voller schöner Natur, malerischen Ausblicken und vor allem Ruhe und Entspannung gesegnet war und den ich in dieser Ausführung nur Jedem empfehlen kann!
Die Tara Schlucht & Tara Brücke
Am nächsten Tag widmeten wir uns ganz der Tara Schlucht und der dazugehörigen Brücke. Auch wenn die Schlucht über die Grenzen Montenegros über weitgehende Unbekanntheit verfügt, ist sie mit 1.300 Metern doch die tiefste Schlucht Europas und nach dem Grand Canyon, die zweit tiefste der Welt. Eine der besten Möglichkeiten diese Schlucht in vollem Umfang in Augenschein zu nehmen, ist die Durdevica-Brücke. Diese führt in 150 Metern über die enorme Schlucht und ermöglicht einen unglaublichen Panoramablick aus nächster Nähe.
Selbstredend, dass wir uns das nicht entgehen lassen konnten! Deshalb brachen wir am frühen Morgen auf und fuhren von Zabljak aus ca. eine halbe Stunde zur Brücke. Dort angekommen, waren sowohl aufgrund der Jahres- als auch Tageszeit kaum andere Touristen unterwegs. Glücklich parkten wir das Auto auf dem großen vorhandenen Parkplatz und marschierten mit einem etwas mulmigem Gefühl über die Brücke. Dabei hielten wir immer wieder an um die einzigartige Landschaft zu genießen. Da es Ende Oktober war, boten die Bäume ein wunderschönes, farbenfrohes Farbenspiel aus vielen verschiedenen braun, orange und rot Schattierungen. Dazu der gleichnamige Fluss Tara, der sich in der Schlucht unterhalb der Brücke entlangschlängelte – einfach unglaublich schön! Nachdem wir unseren Mini-Spaziergang beendet hatten, machten wir es uns in einem der Cafes am Brückenende gemütlich und genossen unseren morgendlichen Kaffee bzw. Organgensaft mit unverwechselbarem Panoramablick!
Auch für Adrenalinjunkies hat die Schlucht absolut etwas zu bieten. Neben der Möglichkeit sich beim Raften durch die beeindruckenden Stromschnellen abzukühlen, kann man dank mehrere Zipliningunternehmen mit beachtlichem Tempo über die Schlucht schweben. Normalerweise bin ich von solchen Aktivitäten nur schwer abzubringen, aber da es an diesem Tag eher kalt war und ein solcher Abstecher unseren Tagesplan ganz schön durcheinander gebracht hätte, ließ ich mich gerade noch so davon abbringen.
Wir fuhren also wieder zurück nach Zabljak und genossen die letzten Sonnenstrahlen auf der Dachterrasse des Restaurants Oro mit einem kühlen
Bier und einer regionalen Vesperplatte, die nur zu empfehlen ist! Anschließend machten wir uns auf zu unserem Mittagsprogramm: Eine kleine Wanderung zum Curevac.
Dazu mussten wir wieder einen kleinen Teil des Durmitor Rings entlangfahren und der Straße von Zabljak nach Tepca für ca. 4 km folgen. Dort liegt mitten im Wald ein kleiner Wanderparkplatz, von dem ein kleines Schild Richtung Curevac verweist. Dem Pfad folgend, waren wir überrascht, nach bereits wenigen Minuten einen traumhaften Blick auf die Schlucht zu haben! Auf halber Strecke zum Curevac, einem 1.500 Meter hohen Berg, befindet sich zudem die wohl riskanteste Bank, auf der ich bisher gesessen. Nur wenige Schritte vom Abgrund entfernt thront diese und lädt nicht unbedingt zum Verweilen ein, bietet aber einen 360-Grad-Panoramablick der Extraklasse! Abzüglich den vielen kleinen Pausen um die schöne Aussicht zu genießen, haben wir bei mäßigem Tempo etwas weniger als eine halbe Stunde zum Zielpunkt des Curevac gebraucht. Ein sehr kleiner Preis für die wunderschöne Aussicht, die wir als Belohnung einheimsten! Unbedingt zu empfehlen!
Der Piva Stausee
An unserem letzten Tag im Norden hatten wir nur etwa den Vormittag für weitere Aktivitäten zur Verfügung, da wir bereits am Nachmittag in Kotor ankommen wollten. Während unserer Tour auf dem Durmitor-Ring hatten wir dummerweise übersehen, dass der Piva-Stausee auf unmittelbaren Weg gelegen hätte, wollten dies aber nachholen und machten uns ein drittes Mal auf zum Sedlo-Pass. Ein letztes Mal genossen wir die wunderschöne Landschaft und den Blick auf den Sedlo und konnten nach etwa 1 1/2h erste Blicke auf den Piva-Stausee erhaschen. Wir hatten wunderschönes Wetter und konnten daher die ungetrübte Sicht auf die künstlich angelegte Schönheit genießen. Eine Serpentinenstraße führt dabei durch mehrere Steintunnel nach unten und führt zu dem kleinen und überschaubaren Örtchen Pluzine. Je nachdem von welcher Richtung man kommt, kann man die schönsten Bilder weit oben schießen. Da die Meisten wahrscheinlich von Pluzine aus den Stausee begutachten wollen, rate ich dazu durch die Steintunnel zu fahren und der Serpentinenstraße nach oben zu folgen. Dort gibt es dann immer wieder kleine Einbuchtungen, die sich für Fotostopps hervorragend eignen. Auch kann man von Pluzine aus Bootstouren auf dem 30 km langen Stausee machen. Ehrlicherweise liebe ich zwar Bootstouren aber konnte nicht wirklich nachempfinden, wie man den See besser bestaunen kann als von oben.
Nachdem wir eine kleine Mittagspause auf ein paar Steinen mit Sicht auf den Piva-Stausee eingelegt hatten, verabschiedeten wir uns etwas wehmütig vom Norden Montenegros. Uns hatte es wirklich ausgezeichnet dort gefallen und ich war total geflasht von der wunderschönen, malerischen und vor allem abwechslungsreichen Natur, den netten Menschen, wunderschönen Panoramablicken und Fotokulissen. Aber natürlich freuten wir uns ebenfalls auf unsere nächste Etappe – Kotor- wir kommen!
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